GI NRW

Graduierteninstitut

Promotionen - Kooperativ

Promovierende im Profil: Kolja Heckes

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Kolja Heckes - Mitglied im GI NRW

Kolja Heckes
Foto: Kolja Heckes

Betreut wird Kolja Heckes durch Prof. Dr. Matthias Grundmann (Institut für Soziologie, WWU Münster) und Prof.'in Dr. Angela Wernberger (KatHO NRW, Abt. Münster)

Dein Promotionsthema: Was erforschst Du?

Kolja Heckes: Eine Sozialisationstheoretische Perspektive auf Soziale Arbeit im Palliativnetz

Mit meiner Diss möchte ich ergründen, wie Soziale Arbeit im Kontext eines städtischen Palliativnetzwerkes aussieht. Wenn ich sage, „aussieht“, dann meine ich damit nicht nur – ganz pragmatisch –, dass Sozialer Arbeit in Palliative Care andere Aufgaben zukommen als etwa in der Jugend- oder Wohnungslosenhilfe etc. Das sowieso. Ich denke aber, je nach Handlungsfeld nimmt Soziale Arbeit eine grundlegend spezifische Form an, was mit dem institutionellen Umfeld und den kooperierenden Berufsgruppen zusammenhängt. Einige Professionstheorien neigen deshalb zum Formulieren von „Leerstellen“, mit denen sie Sozialer Arbeit etwas »chamäleonhaftes« attestieren. Meine Arbeit will diese „Leerstellen“ im Hinblick auf Soziale Arbeit in der palliativen Kooperationslandschaft einmal ausbuchstabieren. Diese Hervorbringung einer spezifischen Form Sozialer Arbeit im und durch das Netzwerk, was übrigens auch auf die anderen beteiligten Professionen zutrifft, lese ich dabei als Sozialisationsprozess.

Dein Weg:  Was und wo hast Du studiert?

Heckes: Soziale Arbeit. Zunächst als B.A. an der TH Köln. Anschließend habe ich einen Master mit dem Fokus auf „Netzwerkmanagement“ an der KatHO NRW in Münster absolviert. Seit ca. 4,5 Jahren stehe ich im Berufsleben, wenn man von studienbegleitenden Tätigkeiten einmal absieht.

Deine Motivation: Was hat Dich zur Promotion gebracht?

Heckes: Soziale Arbeit ist so komplex, was ihre Wirksamkeiten und Bezüge betrifft. Als Form professionell organisierter Hilfe ist ihr Agieren auch stets politisch relevant. Gleichzeitig lässt sich vieles in der Sozialen Arbeit eben nicht linear „herstellen“. Deshalb ist Soziale Arbeit auch zurecht eine angewandte Sozialwissenschaft – handhabbare „Methodenkoffer“ für die Beratungsarbeit oder die Organisation des Sozialwesens sind das eine; elementar ist ferner die Fähigkeit, soziale Zusammenhänge zu antizipieren und zu reflektieren. Damit sind wir natürlich in der Wissenschaft und auch empirischen Forschung. Persönlich kann ich sagen, dass ich meinen Ansichten, darunter natürlich auch implizite Vorannahmen, gerne entlang des wissenschaftlichen Arbeitens nachspüre und mich irritieren lasse.

Deine Stelle: Was und wo arbeitest Du zurzeit? Gibt es Berührungspunkte bzw. Schnittstellen zwischen Deiner Promotion und Deiner beruflichen Tätigkeit?

Heckes: Ich promoviere nebenberuflich. Ich merke schon, dass mir die akribische Arbeit im Zuge der Diss einen Reflexionszuwachs bringt, der mir auch in meiner praktischen Arbeit hilft. Thematisch haben Diss und Stelle bei mir aber nichts miteinander zu tun. Das ist natürlich ein Spagat, aber es hat auch Vorteile: Ich komme auf der Arbeit nicht ständig mit wissenschaftlichen Impulsen in Berührung, die meine Diss zusätzlich „aufplustern“; bei der Promotion geht es ja ohnehin darum, ganz gezielt ein bestimmtes Desiderat zu bearbeiten. Meine Erfahrung: Begrenzte Zeitfenster zwingen zum Fokussieren. Ach so, praktisch bin ich als Quartiersentwickler bei der Diakonie Münster tätig. Das bedeutet viel sozialräumlich-planerische Arbeit – forschungsmethodisches Wissen hilft doch sehr bei der einen oder anderen Bestandsanalyse.

Deine Aktivitäten:  Warum bist Du im GI NRW Mitglied geworden? Wo engagierst Du Dich noch rund um die Promotion?

Heckes: Gruppendruck! Nein, Spaß beiseite. Aber es ist schon so, dass ich bemerkt habe, dass hier einige im Bereich der Sozialen Arbeit promovieren. Und im Diskurs rund um unsere vergleichsweise junge Profession atmen wir ja irgendwie alle dieselbe „Luft“. Ich nehme eine Art „Aufbruchsstimmung“ in der Sozialen Arbeit wahr; Soziale Arbeit schreitet voran, auch in wissenschaftlicher Hinsicht. Es ist inspirierend und auch motivierend, die Erfahrung zu machen, Teil einer Bewegung innerhalb der Profession zu sein. Promovieren kann außerdem ein einsames Geschäft sein, vernetzt doktort es sich leichter…

Dein Highlight: Was gefällt Dir ganz besonders an deiner Arbeit?

Heckes: Im Zuge der Analyse meines Interviewmaterials sichtbar machen zu können, was Sozialarbeitende in der Praxis so alles an Strategien und Erfahrungswissen in petto haben, das zum Teil noch gar nicht theoriegenerativ begriffen wird. In der Diss ist meine Rolle aber die des neutralen Beobachters, nicht etwa eines Anwalts der Sozialen Arbeit.

Dein Tipp: Was empfiehlst Du anderen Promovierenden oder Promotionsinteressierten?

Heckes: Alles hängt mit allem zusammen. Das heißt aber nicht, dass man in der Diss die ganze Welt erklären muss. Ein geschärftes Erkenntnisinteresse hilft, nicht unterzugehen in den unzähligen Bezügen und Zusammenhängen, die jedes Thema birgt. Nach meiner Erfahrung zudem wichtig: Die Frage, worauf will ich in der Arbeit hinaus. Das heißt nicht, dass man sich Voreingenommenheit erlauben sollte. Aber die Diss ist eben keine einzelne Hausarbeit mehr, die außer den Prüfenden keiner liest, sondern potenziell ein öffentlicher Diskursbeitrag. Mir persönlich hilft es manchmal, unnötig zeitraubende Schlenker zu vermeiden, indem ich mir ins Gedächtnis rufe, was ich eigentlich beisteuern und wen ich damit erreichen möchte.

Deine Zukunft: Wo siehst Du Dich nach Deiner Promotion?

Heckes: Mich interessiert die (sozial-)politische Dimension Sozialer Arbeit, da ja wie viele Probleme, mit denen die Menschen zu uns kommen, von gesellschaftlichen Disparitäten produziert werden. Mit ihrer Perspektive an der Seite der Klientel kann sich Soziale Arbeit in politischer Hinsicht einbringen und tut dies bereits. Auf dieser Schnittstelle möchte ich gerne weiterhin agieren und erhoffe mir von der Diss natürlich, dass sie mich analytisch-reflexiv und argumentativ voranbringt. Die eine konkrete Stelle habe ich nicht vor Augen; bisher bewege ich mich im Themenkomplex ‚Gesundheit/Alter‘…